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Mein Cockpitflug nach Nagoya am 03. Februar 2006 - oder - der verlorene Geldbeutel


Nagoya-Castle

Nach mehr als 2 Jahren bot sich wieder eine Gelegenheit einen Cockpitflug nach Japan zu machen. Dirk und ich hatten schon lange darüber gesprochen, einmal nach Nagoya zu fliegen. Er wollte mir unbedingt die kleine gemütliche Gaststätte von "Mama-San" zeigen, welche bei den Piloten gut bekannt ist.

Am 3. Februar 2006 war es dann endlich soweit. Unser Flug ging planmäßig um 13:50 Uhr ab Frankfurt. Das Wetter war nicht besonders, aber die Stimmung war sehr gut. Nachdem ich eingecheckt hatte und es Zeit zum Boarding war, meldete ich mich im Cockpit bei der Crew.

Kapitän Peter D., SFO Peter N. und mein Freund Dirk P. waren die Besatzung für diese Tour. Unsere Maschine war wieder ein Airbus 340-300. Es war die "GA" (Golf Alpha). Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dieses Flugzeug noch eine wichtige Rolle bei unseren Ausflug nach Japan spielen sollte. Aber dazu später mehr.

Dirk hatte sich vorher schon mit dem SFO geeinigt, dass er einen dieser beiden Flüge übernehmen möchte. Der Hinweg war also nun sein Part. Er war also für den Start und die Landung verantwortlich. Die Maschine wurde für die lange Reise vorbereitet und dann ging es endlich los. Dirk rollte die Maschine Richtung Osten zur Startbahn 07L. Es war wohl ein "Jumbo-Tag", denn 2 dieser Giganten bekamen noch vor uns die Startfreigabe, obwohl sie auf dem Taxiway noch hinter uns waren.
Nun kam auch unsere Freigabe und der Airbus wurde auf die Startbahn gerollt. Nach einer kurzen Pause wurde die Maschine dann beschleunigt und reckte sich dann bei einer Geschwindigkeit von etwa 165 Knoten in den Himmel. Das Fahrwerk wurde eingefahren und wir stiegen auf unsere vorgegebene Flughöhe von 5.000 Fuss. Ab jetzt waren es noch 11 Stunden und 25 Minuten bis zu unserem Zielpunkt. Die längste Zeit davon, 8 bis 9 Stunden, haben wir über Russland und Sibirien verbracht. Es war eine kurze Nacht, da wir ja schon dem nächsten Tag entgegen flogen.

Wir beschäftigten uns im Cockpit mit theoretischem Unterricht über die Hohe Kunst des Fliegens und auch über die EDV.
Bei diesem Flug bekamen die Fluggäste sogar die Möglichkeit, sich über das Lufthansa SkyNet in das Internet einzuloggen. Da allerdings nicht alle Passagiere soweit bewandert waren, ihr Notebook für den Connect zu konfigurieren, habe ich mich angeboten, einem japanischen Mitreisenden Unterstützung anzubieten. Das war gar nicht so einfach, denn er hatte natürlich ein japanisches Windows XP installiert und die japanische Schrift ist nun mal nicht so einfach zu lesen. Meine Kenntnisse reichten aber soweit aus, sich den entsprechenden Punkt in den Konfigurationsmenüs anzeigen und ins englische übersetzen zu lassen. Nach knapp 45 Minuten hatten wir es dann endlich geschafft und wir bekamen eine Internetverbindung. Leider ging dann der Akku zur Neige und der Japaner konnte die Internetverbindung dann nicht mehr ausschöpfen.

Nach etwa 11 Stunden und 15 Minuten erreichten wir dann unser Ziel. Der neue Airport von Nagoya (Chubu RJGG) liegt, wie auch schon in Osaka, auf einer aufgeschütteten Insel und ist durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Nun zeigte Dirk, wie gut er den A340 beherrscht und machte eine Bilderbuchlandung. Das erwartete Durchschütteln beim Aufsetzen bleib diesmal aus. Wir rollten zum Gate 11 und ich verlies dann das Cockpit.
Nachdem ich durch die Passkontrolle gegangen war, traf ich die Crew wieder bei der Gepäckausgabe. Der Crew-Bus wartete schon draußen um zu dem 1 Stunde entfernt liegendem Nagoya-Hilton-Hotel zu fahren. Im Bus bemerkte ich plötzlich, dass ich meinen Geldbeutel mit sämtlichen Papieren und Bargeld verloren hatte. Ich durchsuchte alle meine Taschen, blieb aber erfolglos. Wir benachrichtigten dann per Handy den Flughafen um das Reinigungsteam unseres Flugzeuges darauf aufmerksam zu machen.
Die "GA" machte sich 2 Stunden später wieder auf dem Heimweg nach Frankfurt. Auch der Kapitän für den Rückflug wurde über meinen Verlust informiert. Im Hotel

warteten wir dann vergebens auf eine positive Nachricht über den Fund meiner Geldbörse. Dennoch lies ich mich nicht davon abbringen, die 2 Tage zu genießen. Ich sagte mir immer, Japaner sind ehrliche Menschen und wenn sie etwas gefunden haben, werden sie es dem Verlierer wieder zukommen lassen. Im Hotel machten wir uns kurz frisch und trafen uns dann in der Lobby um ein paar Einkäufe in der Innenstadt zu tätigen. Natürlich führte uns dann auch der Weg in eine Sushi-Bar, wo wir unsere Mägen verwöhnten. Dirk, Peter 2 (SFO) und ich waren die Einzigen die es vorzogen in die Stadt zu gehen, anstatt die Bettruhe zu suchen. Um ca. 15 Uhr gingen wir dann ins Hotel zurück und ruhten dann eine Stunde im Zimmer. 3 Stunden später trafen wir uns dann um das legendäre Lokal von Mama-San kennenzulernen. Es war eine urige Kneipe, in der auch schon die Crew vom Vortag ihr Abendessen genoss. Wir setzten uns zusammen und verabredeten uns noch für später im Irischen Pub "Elephant". Hier waren mehr Europäer und Amerikaner als Japaner zu sehen.

Inzwischen spürte ich dann, dass ich seit fast 38 Stunden nicht geschlafen hatte und wir kehrten zurück ins Hotel, wo wir dann noch ein Glas Rotwein zum Abschluss tranken. Irgendwann übernahm dann mein Körper die Regie und ich bin auf meinem Bett eingeschlafen während Peter 1 (Kapitän), Peter 2 und Dirk; sie hatten ja alle schon 4 Stunden Pause on Board; sich über meine plötzliche "Schwäche" amüsierten.

Am nächsten Tag ging es dann frisch und munter zum Frühstück in ein gegenüberliegendes Cafe. Anschließend fuhren wir mit dem Taxi zum Nagoya-Castle um unser Wissen über die japanische Kultur zu erweitern. Das 1945 bis auf die Grundmauern abgebrannte und wieder errichtete Schloß, war einst der Wohnsitz der Tokugawas und ist auf jeden Fall als eines der wichtigsten Anlaufpunkte in Nagoya zu sehen. Das nächste Ziel war nun das Aquarium am anderen Ende der Stadt, im Hafengebiet. Trotz der Temperaturen von ca. 0 Grad Celsius lassen es sich die Japaner nicht nehmen, ihre Open-Air Delphine-Show zu präsentieren. Auf beheizten Sitzen konnte man es die 20 Minuten während der Vorführung gut aushalten. Im Innenbereich gab es eine Vielfalt von Meeresbewohnern zu bestaunen.

Das waren unter anderem Orkas, Belugas, Haie, Rochen, Wasserschildkröten mit etwa 1m Länge, Feuerquallen, und und und.
Gegen 17 Uhr traten wir dann den Rückzug an, um uns dann 1 Stunde später für das Abendessen zu treffen. Wir erfrischten uns dann noch mit einem Bier im Hardrock-Cafe und ließen uns danach in einem koreanischen Restaurant kulinarisch verwöhnen. Da wir am nächsten Tag schon wieder den Rückflug antreten mussten, gingen wir etwas früher ins Hotel und schliefen uns für den 12 Stunden-Flug aus. In dieser Nacht träumte ich 4 mal, dass wir mit der "GA" wieder nach Frankfurt fliegen würden und ich im Flugzeug meinen

Geldbeutel finden würde. Das wäre so ungewöhnlich, da wir ja 2 Tage Aufenthalt hatten und die Maschine in der Zeit ja auch noch andere Ziele auf dieser Welt angeflogen hatte.

Am Morgen nahmen wir ein kleines Frühstück zu uns und wurden dann mit dem Bus zum Airport gefahren. Peter 1 sagte dann in der Hotel-Lobby: "Jochen, ich habe gerade meine Rückflugdaten abgerufen und du wirst es nicht glauben, die "GA" kommt zurück und wir fliegen mit ihr nach Frankfurt." Das war wirklich unglaublich. Am Airport angekommen fragte ich dann noch einmal, ob man eventuell im Fundbüro meinen Geldbeutel abgegeben hätte, oder ob sich die Lufthansa aus Frankfurt schon über den Verlust geäußert hatte. Leider erhielt ich auch hier eine negative Antwort.
Die Crew machte sich dann schon auf den Weg zur Maschine, während ich noch einchecken und auf den Boarding-Termin warten musste. Das japanische Bodenpersonal rief mich dann plötzlich aus und sagte, ich dürfte schon an Board gehen, während die anderen Passagiere noch warten mussten. Dirk empfing mich schon und sagte: "Geh mal ins Cockpit zum Peter 2, der kann zaubern." Er hatte ja schon auf dem Hinflug einige Tricks vorgeführt und mich verwunderte die Aufforderung von Dirk nicht weiter.

Als ich dann in einen großen Umschlag greifen musste und dann zunächst nichts darin gefunden hatte, sagte Peter 2: "Du musst schon richtig hineingreifen." Der 2. Versuch war dann erfolgreich. Ich hielt plötzlich meinen verlorenen Geldbeutel in der Hand. Peter 2 hatte beim Betreten des Flugzeuges gleich in den hochgeklappten Sitz geschaut und den Geldbeutel dort gefunden. Das war so ein unbeschreibliches Glück, denn die Maschine war ja von Nagoya wieder nach Frankfurt, von dort aus nach Teheran und zurück nach Frankfurt und dann erst wieder nach Nagoya geflogen. Inzwischen waren 4 Besatzung und 5 Reinigungsteams an Board. Keiner hatte jedoch den Sitz heruntergeklappt und dort nachgeschaut.

Nun konnten wir beruhigt den Rückflug antreten und die kommenden 12 Stunden genießen. Auch während dieser 12 Stunden lies ich es mir nicht nehmen, den gesamten Zeitraum vorne im Cockpit der "GA" zu verweilen. Wir mussten ja wieder 8 bis 9 Stunden über Sibirien und Russland fliegen, reisten aber mit dem Tag und es war den ganzen Rückflug über hell. Jetzt konnte man recht gut erkennen, wie viel Schnee es zu dieser Jahreszeit in Sibirien hat. Die gesamte Landschaft war weiß und grau. Nach ca. 10 Stunden waren wir dann über Helsinki und drehten dann Richtung Deutschland nach Süden ab.
Den Start und die Landung machte diesmal der Kapitän persönlich. Am Gate B43 war dann auch dieses Abenteuer zuende. Dirk und ich trafen uns dann vor dem Flughafengebäude um unsere Heimreise anzutreten.

Mein Dank für diesen unvergesslichen Ausflug gilt hier dem Kapitän Peter D., dem SFO Peter N. und natürlich ganz besonders meinem Freund Dirk


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